Pflanzen sollen aus Region stammen

REGIOSAATGUT  Bundesgesetz regelt Anlegen von Blühstreifen

Nicht nur mit Blühstreifen wird derzeit viel für den Natur- und Insektenschutz getan. Jetzt könnten sich aber die Bedingungen ändern - mit Vorschriften für das Saatgut.

Kreis Kassel - Es kommt aus der Region, soll den heimischen Wildbienen etwas Gutes tun und nebenbei die Artenvielfalt fördern: Regiosaatgut. Während das Saatgut üblicher Zuchtmischungen sowohl für den heimischen Garten als auch für größere Blühflächen der Gemeinden und für Landwirte überall auf der Welt gewonnen werden kann, stammen die Samen von Wiesenpflanzen beim Regiosaatgut aus der Region, erklärt Claus Neubeck vom Zweckverband Raum Kassel (ZRK).

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Ein kurzer Paragraf im Bundesnaturschutzgesetz sorgt jedoch für Verwirrung. Darin heißt es, dass in der freien Natur nur bis einschließlich 1. März 2020 Saatgut „außerhalb seiner Vorkommensgebiete“ gesät werden darf. Danach müsste es demnach genehmigt werden, wenn Landwirte normales Saatgut, also kein Regiosaatgut, für Blühstreifen verwenden wollen.

Doch für wen gilt die Vorgabe? Wer stellt das gefragte Saatgut her? Und welche Bestimmungen gelten dafür?

Eine Sprecherin vom Bundesministerium für Umwelt teilt mit, dass für Land- und Forstwirtschaft eine Ausnahmeregelung gilt. Ob die Regel mit Regiosaatgut nun auch für Blühstreifen auf landwirtschaftlichen Flächen gelte, müssten die Länder selbst entscheiden. In deren Verantwortung liege es, den Paragrafen umzusetzen – es gäbe dabei aber unterschiedliche Auffassungen.

Das Bundesministerium sei nach Abwägung der Auffassung, dass landwirtschaftliche Blühstreifen ausgenommen seien und auch ab März weiterhin normales Saatgut auf landwirtschaftlichen Flächen erlaubt sei. „Allerdings entscheiden die Länder weiterhin selbst, welcher Auslegung sie sich anschließen.“ Geplant seien darüber hinaus Empfehlungen, die verhindern sollen, „dass auf landwirtschaftlichen Flächen unkontrolliert Saatgut in Form von Blühstreifen ausgebracht wird“.

Ob Landwirte und Kommunen künftig in Hessen nur noch Regiosaatgut auf Blühstreifen aussäen dürfen, ist noch nicht entschieden. Das dafür zuständige Landesministerium teilte auf HNA-Anfrage mit, dass die Regelung derzeit noch geprüft werde. Dort warte man immer noch auf die abschließende Empfehlung des Bundesministeriums. Reinhard Schulte-Ebbert vom Bauernverband Kassel, der auch Jurist ist, kennt die Regelung.

Auch aus seiner Sicht sind Bauern davon nicht betroffen, denn deren Blühstreifen fallen unter landwirtschaftliche Nutzung.

Müssten Bauern künftig bestimmtes Saatgut nutzen, hätten sie „ein Riesenproblem“, sagt er. Nicht nur, weil die Bauern jetzt ihr Saatgut für den Frühling bestellen und die Regelung damit zu spät käme. Er fragt sich auch, wer sicherstellt, dass es ausreichend zur Verfügung steht.

„Wenn gewollt ist, dass Bauern die biologische Vielfalt fördern, darf das nicht durch Bürokratie verhindert werden.“ Die Blühstreifen seien eine freiwillige Aktion, die man nicht unnötig verkomplizieren solle. Wo die Regelung aus seiner Sicht greife, sei bei Ausgleichsflächen beispielsweise für Gewerbegebiete. 

ArchivFoto: Privat/nh

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Gelten Blühstreifen als landwirtschaftliche Nutzung oder als Naturschutzmaßnahme? Je nach dem könnten für die Pflanzensamen, die dort ausgebracht werden, strengere Bestimmungen gelten.

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Dr. Claus Neubeck
Landschaftsplanung
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Reinhard Schulte-Ebbert
Kreisbauernverband Kassel